Barbara Kadletz: Im Ruin
Katharina flüchtet vor ihrer Vergangenheit in die Arbeit im „Ruin“ und bald ist klar, warum sie das tut. Bei Ari bleibt lange ungewiss, warum er nun in Wien lebt und sich jeden Abend ins Ruin begibt. Ein Roman mit Lokalkolorit.
Das Wiener Beisl „Ruin“, benannt nach einem Tocotronic Song, ist mehr als bloße Kulisse für den Roman von Barbara Kadletz. Zwischen Büchern, Schallplatten und dem alltäglichen Kommen und Gehen begegnen sich Menschen, die ihre eigenen Geschichten mitbringen. Katharina führt das Lokal gemeinsam mit ihrer Vertrauten Sabina, Stammgast Max gehört ebenso selbstverständlich dazu. Mit Ari tritt ein rätselhafter Gast in dieses eingespielte Gefüge und bringt leise Veränderungen mit sich, während Katharina zugleich die Erinnerung an eine frühere Liebe begleitet.
Barbara Kadletz erzählt von Freundschaft, Verlust und den Zufällen, die Menschen zusammenführen. Das „Ruin“ wird zum Ankerpunkt für Figuren, die nicht nach großen Antworten suchen, sondern nach einem Ort, an dem sie bleiben dürfen. Wien prägt den Roman mit seinen Straßen, Beisln und Randbezirken ebenso selbstverständlich wie die literarischen und musikalischen Bezüge, die von Ingeborg Bachmann bis PJ Harvey reichen. Kadletz schreibt leicht, humorvoll und mit feinem Gespür für ihre Figuren. Gerade aus der Verbindung von Wiener Lokalkolorit und den leisen Verschiebungen zwischen den Menschen bezieht Im Ruin seine besondere Stärke.
Barbara Kadletz: Im Ruin. edition atelier, Wien 2021.


