Petra Piuk – Hotel Love
Darinnen von einem Liebeshotel, einem gebrochenen Herzen, einer allzu perfekten Julia, den Verheißungen des Love-Kanzlers und den kleinen Störgeräuschen der Wirklichkeit berichtet wird.
Petra Piuk widmet sich in Hotel Love einem der bekanntesten Liebespaare der Literaturgeschichte und versetzt Romeo und Julia in eine düstere Zukunft. Im Jahr 2031 regiert in Österreich eine Männerpartei, Frauen wurden ihrer Rechte beraubt und auf ihre Rolle als Dienstleisterinnen männlichen Glücks reduziert. Wer sich diesem System widersetzt, lebt im Untergrund oder wird zur Ware. Die perfekte Lösung für die Bedürfnisse der Männer versprechen sogenannte Fembots: künstliche Partnerinnen, frei von Eigenwillen, Alter oder Widerspruch.
Im Zentrum steht Roman, der seine gescheiterte Beziehung zu Julia nicht verkraftet hat. In einem Liebeshotel lässt er sich deshalb Julia 2.0 erschaffen, einen Androiden, der seine Vorstellung von der idealen Partnerin verkörpern soll. Doch die Vergangenheit lässt sich nicht so einfach ausradieren. Fragmente der realen Beziehung dringen immer wieder in die künstlich geschaffene Harmonie ein. Während Julia 2.0 versucht, die Lücken in ihrer Programmierung zu schließen, treten die Brüche in Romans Erinnerungen und Sehnsüchten immer deutlicher hervor.
Piuk erzählt diese Geschichte nicht als klassische Dystopie, sondern als grelle, satirische Überzeichnung gegenwärtiger Entwicklungen. Ihr Blick richtet sich auf toxische Männlichkeitsbilder, Technikgläubigkeit und die Vorstellung, menschliche Beziehungen ließen sich optimieren wie ein Produkt. Gerade weil vieles überzeichnet erscheint, wirkt manches beunruhigend nah an aktuellen gesellschaftlichen Debatten.
Sprachlich setzt die Autorin auf Collagen, gelöschte Kurznachrichten, Werbebotschaften, Social-Media-Schnipsel und altmodisch anmutenden Kapitelargumenten (siehe Untertitel dieser Buchkritik). Dadurch entsteht ein Sog, der die permanente Beschallung durch Ideologien und Glücksversprechen spürbar macht. Hinter dem schwarzen Humor und den grotesken Einfällen verbirgt sich eine ernsthafte Frage: Wie stabil sind Freiheit, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung tatsächlich?
Hotel Love ist zugleich Unterhaltung und Gesellschaftskritik. Ein Roman, der zunächst mit Witz und Absurdität verführt, um anschließend die Mechanismen von Patriarchat, Technikwahn und Macht umso schärfer sichtbar zu machen. Für eine Lektüre mit vielem Lächeln, das manchmal auf den Lippen gefriert.
Petra Piuk: „Hotel Love“, Leykam Verlag, 240 S., 25,5 Euro.


