Wien in der Literatur
Barbara Zemans zweiter Roman Beteigeuze erzählt von Theresa Neges, die mit ihrem Freund Josef in einer kleinen blauen Wohnung im 2. Wiener Gemeindebezirk lebt, im Café arbeitet und sich zunehmend von der Welt entfremdet fühlt. Ihre Faszination gilt Beteigeuze, dem unruhigen Roten Überriesen, dessen wechselnde Leuchtkraft und ungewisse Existenz ihre eigene emotionale Instabilität spiegeln.
Was bleibt, wenn man das Buch zuklappt, ist zuerst der Klang der Sätze. Zeman schreibt so, dass man das Gefühl hat, jedes Wort sei gegen zehn andere abgewogen worden, nichts wirkt hingeworfen, nichts dekorativ. Gerade in den Passagen, wo Theresas Wahrnehmung kippt, hält die Sprache eine Ruhe, die im Kontrast zum Inhalt umso mehr auffällt.
Auffällig auch: Wie wenig Zeman zwischen ihrer Figur und sich selbst zu trennen scheint. Nicht biografisch, aber im Ton und in der Obsession fürs Genaue, im Widerwillen gegen das Aufgeräumte. Man erfährt von Theresas Sprachverliebtheit und fragt sich unwillkürlich, ob man nicht gerade der Autorin beim Schreiben über das Schreiben zusieht.
Im Vergleich zum Debüt Immerjahn (2019), das eher in sich ruhte, hat Beteigeuze einen anderen Puls: unruhiger, fahriger, näher an der Hauptfigur. Man merkt, dass Zeman hier etwas riskiert, das im ersten Buch noch nicht auf dem Tisch lag.

