Wien als Handlungsort

Viele Romane entfalten ihre Geschichten vor der Kulisse Wiens. Joseph Roths Radetzkymarsch beschwört das Ende der Monarchie herauf, während Robert Seethaler in Der Trafikant einen jungen Mann durch die politischen Umbrüche der dreißiger Jahre führt. Auch zeitgenössische Werke wie Josef Haslingers Opernball nutzen die Stadt als Raum für aktuelle Fragen.

Die Stadt als Figur

In Thomas Bernhards Alte Meister tritt das Kunsthistorische Museum nicht nur als Schauplatz, sondern als Widerpart des Erzählers auf. Elias Canetti zeigt in Die Blendung, wie das bürgerliche Wien selbst zur erstickenden Kraft wird. Hier erscheint die Stadt nicht als Hintergrund, sondern als eigenständige Figur mit eigener Stimme.

Literarische Geschichte

Wien ist reich an literarischen Traditionen: von den Kaffeehauskulturen um Arthur Schnitzler bis hin zu Elfriede Jelineks Sprachdemontagen. Immer wieder spiegelt sich in der Literatur das Spannungsfeld von Glanz und Krise, Erinnerung und Verdrängung (dazu fällt die Bezeichnung „Hauptstadt des Vergessens“ von Robert Schindel ein) und macht Wien zu einem dauerhaften Zentrum literarischer Imagination.


Im Ruin

Barbara Kadletz
edition atelier · 2020
Katharina flüchtet vor ihrer Vergangenheit in ihre Arbeit im „Ruin“ und bald wird klar, warum sie das tut. Bei Ari bleibt lange ungewiss, warum er nun in Wien lebt und sich jeden Abend als Gast ins Ruin begibt. Ein Roman mit doppeltem Lokalkolorit.

Alte Meister

Thomas Bernhard
Suhrkamp · 1985
Der 82-jährige Musikphilosoph Reger sitzt seit über 30 Jahren regelmäßig im Kunsthistorischen Museum vor Tintorettos „Weißbärtigem Mann“. Sein Freund Atzbacher beobachtet ihn und lauscht Tiraden gegen Stifter, Bruckner und Heidegger, bevor beide ins Burgtheater aufbrechen.

Beteigeuze

Barbara Zeman
DTV · 2024
Theresa Neges lebt in Wien und fühlt sich mystisch mit dem Stern Beteigeuze verbunden, dessen wechselnde Leuchtkraft ihre eigene emotionale Instabilität spiegelt. Ein sprachlich dichter Roman über Einsamkeit, psychische Erkrankung und die Sehnsucht nach Transzendenz.

Im Schatten zweier Sommer

Jan Koneffke
Galiani Berlin · 2024
Wien 1914: Joseph Roth zieht als Untermieter bei der Familie Fischler ein, zwischen ihm und der 17-jährigen Fanny entsteht eine Liebesgeschichte. Der Krieg trennt sie. 1938 treffen sie sich im Pariser Exil wieder, Roth inzwischen berühmt, aber trinkend und mittellos.